6. Juli 2015 - Keine Kommentare!

Deutschland, Profi im Bereich Fußball? – Ja, Nein, Jaein…..

Die Saisonvorbereitung in der Bundesliga ist gestartet und wenn es gerade mal keinen Transfer zu vermelden gibt, werden zahlreiche Artikel und Berichte über die Geschehnisse und Verbesserungen im Hintergrund veröffentlicht. So gerade geschehen im aktuellen "Kicker" mit dem Artikel "Krankenakte Bundesliga - Warum Deutschland hinterherhinkt", und in Dortmund mit Berichten über die Neuerungen im Trainingsalltag seit der ersten Trainingseinheit durch Thomas Tuchel.

Es war mir bekannt, dass der deutsche Fußball in Sachen Verletzungsprophylaxe und Leistungsdiagnostik lange Zeit nicht den aktuellen Standards entsprach, doch ich dachte zumindest, dass seit der Verpflichtung der Amerikaner von EXOS (vorher Athletes Performance) für die Nationalmannschaft vor über 10 Jahren, sich auch die Bundesliga Vereine die dort praktizierten Systeme zu Nutze gemacht hätten.

Wir "Deutschen" als eine der Top Fußballnationen müssen von unserem hohen Ross herunterkommen und einsehen, dass wir zwar in Punkto Taktik und Spielverständnis zu den Besten der Welt gehören, aber in Sachen Athletik, medizinische Betreuung, Diagnostik, Statistiken etc. Nationen wie den USA weit hinterherhinken.

Ich bin noch immer schockiert über die Tatsache, dass man bei so einem international etablierten Verein wie Borussia Dortmund eine Leistungsdiagnostik mit Spiroergometrie, Movement Screens, Krafttests etc. als moderne Neuerung präsentiert und sagt, dass man sehr fortschrittlich arbeiten würde, da bisher zu Saisonbeginn lediglich Laktattests durchgeführt worden wären. Fortschrittlich? Ernsthaft? Wie kann ich Millioneninvestitionen für Spieler tätigen und dann nicht alles unternehmen, damit diese Spieler auch maximal analysiert werden, um ihr Potential abrufen zu können? Gerade die medizinischen Check Ups bei Neuverpflichtungen sind ein absoluter Witz! Wenn wir heutzutage ein Auto kaufen, suchen wir uns immer jemanden mit guten Sachkenntnissen, damit wir nicht irgendwelche Makel übersehen und nachher einen "Schrotthaufen" kaufen. Aber bei Spielerverpflichtungen, wo es um deutlich höhere Beträge geht, werden nur simple oberflächliche Untersuchungen durchgeführt, anstatt den Spieler von Ärzten, Physiotherapeuten und Athletiktrainern auf den Kopf stellen zu lassen um herauszufinden, ob sich diese Investition auch lohnt!

Der im Kickerartikel beschriebene Umbau des medizinischen Bereiches im Trainingsgelände vom FC Bayern München, wo in Zukunft eine tägliche Überwachung und Diagnose jedes einzelnen Spielers stattfinden soll, ist ein Schritt in die richtige Richtung! Doch ob diese Maßnahmen zum gewünschten Erfolg führen, hängt von der interdisziplinären Zusammenarbeit ab. Es muss ein konsequenter Austausch und eine Zusammenarbeit am Spieler von Ärzten, Physiotherapeuten, Atheltiktrainern, Ernährungsberatern und mentalen Trainern stattfinden! Und gerade dabei darf die Qualität der Arbeit nicht durch irgendwelches Kompetenzgerangel wie jüngst bei den Geschehnissen um Pep Guardiola und Dr. Müller-Wohlfahrt leiden. Genauso wie ein Trainer, der keinen Sachverstand von medizinischen Belangen hat, sich nicht in die Behandlung von Verletzungen einmischen darf, sollte auch kein Mannschaftsarzt einen derartigen Sonderstatus genießen wie es Dr. Müller-Wohlfahrt lange bei den Bayern tat. Bei der Zusammenarbeit sollte es tägliche Meetings von Trainern, Ärzten, Physiotherapeuten, Athletiktrainer, Ernährungsberatern und mentalen Trainern geben, wo ähnlich wie bei Lehrerkonferenzen im Kollektiv jeder einzelne Spieler analysiert wird.

Ein wichtiger Punkt, bei dem ich noch großen Optimierungsbedarf sehe, ist die Arbeit der Spieler abseits des Sportplatzes. Damit meine ich nicht irgendwelche Promotiontermine, sondern Aufgaben, die ein Spieler erhalten sollte, damit er seinen Körper optimal auf die Trainings- und Spielbelastung vorbereitet. Für ein Jahresgehalt von mehreren Millionen kann man von einem Spieler wohl erwarten, dass er ein Ernährungs- und Schlaftagebuch führt, um die eigene Regeneration bestmöglich zu unterstützen. Von Seiten der Vereine sollte mal über den großen Teich zum Profisport in den USA geschaut werden, was an Optimierung im Trainingsalltag noch alles möglich ist.

Und ein anderer Punkt ist die Qualität der Besetzung mit Ärzten, Physiotherapeuten, Athletiktrainern, Ernährungsberatern und mentalen Trainern. Als Vorstand sollte man sich doch die Frage stellen, was eine Millioneninvestition in einen Spieler bringt, wenn dieser unter seinen Möglichkeiten bleibt aufgrund schlechter Betreuung oder verletzungsbedingt vielleicht gar nicht erst auf dem Platz steht. Oft sind die oben genannten Ämter aufgrund von mittelmäßiger Bezahlung oder hierarchischer Strukturen nicht mit top Leuten besetzt. Man sollte sich als Vorstand schon fragen, wie gut beispielsweise der Mannschaftsarzt oder Physiotherapeut ist, wenn die eigenen Spieler regelmäßig andere Praxen für die Behandlung aufsuchen, oder wie gut die Atheltiktrainer qualitativ sind, wenn in der Saisonvorbereitung als Konditionstraining tatsächlich noch Joggen gegangen wird. Warum dies nicht mehr Up to date ist, würde hier allerdings den Rahmen sprengen.

Ich denke, es wird deutlich in welche Richtung ich gehen möchte. Bei der Maximierung des Outcome seiner Investitionen in Spieler, sollte ein Verein die Strukturen und Angestellten, die für die maximale Leistungssteigerung des Teams verantwortlich sind, optimieren. Das heißt Ärzte, Physiotherapeuten, Athletiktrainer, Köche/Ernährungsberater, mentale Trainer etc. sollten führend auf ihren jeweiligen Fachgebieten sein. Desweiteren sollten sie optimal zusammenarbeiten und das große Ganze sehen. Mit Zusammenarbeit ist in diesem Zusammenhang tatsächlich nicht nur ein Austausch gemeint, sondern ein Zusammenarbeiten am Spieler! Zusätzlich sollte es einen Beauftragten geben, der die Kollektivarbeit dieser Instanzen kontrolliert und leitet.

Man sieht also, dass auch die Fußballnation Deutschland in ihrer Lieblingssportart noch Luft nach oben hat! Es sind unglaublich viele Schritte in die richtige Richtung in den letzten 10 Jahren gemacht worden und der Fortschritt hat sich ausgezahlt, wenn man mal einen Blick auf die Errungenschaften der deutschen Fußballklubs und der Nationalmannschaft wirft. Dennoch besteht einiger Optimierungsbedarf und es darf sich jetzt nicht auf den Erfolgen der letzten Jahre ausgeruht werden.

 

Mit sportlichen Grüßen

Daniel Timmerbrink

Veröffentlicht von: admin in Allgemein

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